



Mutter M. Rosa wollte seit der Gründung der Gemeinschaft ihre Schwestern in der Sorge um die Ärmsten der Armen auch über die Grenzen Deutschlands hinaus senden. Diese Pläne wurden vereitelt durch ihre 28 Jahre lange Zurücksetzung in der eigenen Gemeinschaft. Da sie von 1878 bis zu ihrem Tod 1906 praktisch nichts mehr zu entscheiden hatte, konnte ihr Wunsch erst im 20. Jahrhundert Wirklichkeit werden, mit der Entsendung der ersten Schwestern in die USA im Jahre 1923.

Unser Konvent in den USA
Die ersten Schwestern gingen 1923 in die USA. Sie folgten einer Einladung von Erzbischof Dowling, der sie bat, die hauswirtschaftliche Versorgung von Priestern und Schülern in Nazareth Hall in St. Paul/Minnesota zu übernehmen. Bald legten die Schwestern ihren Schwerpunkt in die Krankenpflege uns errichteten verschiedene Krankenhäuser. 1944 schlossen sich auch amerikanische Frauen den Franziskanerinnen an, die den Armen und Kranken helfen wollten. Zahlreiche Veränderungen im Gesundheitswesen führten dazu, dass sich die Schwestern in den USA Ende der 80er Jahre von ihren Institutionen trennten. Jede Schwester erhielt die Möglichkeit, einen Dienst zu wählen, zu dem sie sich berufen fühlte. Seither sind sie in den unterschiedlichsten Bereichen tätig: In der Seelsorge, in der Kinderbetreuung, in der sozialen Arbeit. Einige Schwestern kümmern sich um Einwanderer und Asylanten. Sie nutzen dabei ihre eigenen Erfahrungen als Einwanderinnen und eröffneten zwei Einrichtungen: Francis Basket und Clare's Closet, in denen Einwanderer - auch illegale - Unterstützung finden, bis ihre Papiere in Ordnung sind, sie die neue Sprache gelernt haben und in der Lage sind, ein eigenständiges Leben zu führen.
Dreimal wöchentlich treffen sich gläubige Christen im Regional Center der Schwestern und beten mit kranken Menschen um Heilung. Sie verbringen den Tag im Gebet mit denen, die in Not sind. Die Schwestern leisten so viel ehrenamtliche Arbeit wie möglich und sehen ihren Dienst in der Fürsorge für andere Menschen und in der Erfüllung ihrer Mission: ”Wir sind berufen, das Evangelium zu leben, schlicht und einfach unter den Menschen” im Einklang mit der Mission von Mutter Rosa. Sie dienen einander in Gemeinschaft und sind offen für Gottes Herausforderung, zu jeder Zeit und an jedem Ort das menschliche Leid aktiv zu lindern.
Unser Konvent in den Niederlanden
1931 wurden die Schwestern in die Niederlande gerufen. Die Anfrage kam der damaligen Ordensleitung, angesichts der politischen Situation im Deutschen Reich, sehr entgegen, denn das politisch neutrale Nachbarland bot eine Zufluchtsstätte. Unter harten Bedingungen setzten sich die ersten deutschen Schwestern für alte, kranke und arme Menschen ein und nahmen sich vor allem der verwaisten oder sozial schwachen Kinder und Jugendlichen an. Die verschiedenen Provinzen in den Niederlanden sorgten für Arme, arbeiteten als Kranken- und Altenpflegerinnen in der Ambulanz, im Krankenhaus, in Altenheimen, als Erzieherinnen in Waisenhäusern, Kindergärten und in einer Einrichtung für behinderte und blinde Kinder und Jugendliche sowie als Lehrerinnen in Grundschulen.
Die heute noch verbleibenden Schwestern leben in Ordensaltenheimen in den Provinzen Gelderland und Brabant und sehen ihren Auftrag im Gebet, im Vertiefen und Reifen ihrer Beziehung zu Gott, im gütigen, wohlwollenden Umgang mit ihrer Umgebung, in den kleinen Diensten für Menschen ihres Umfeldes, im Unterstützen guter Werke und im Annehmen ihrer Altersbeschwerden und Krankheiten. Dabei orientieren sie sich an Mutter Rosas Aussage: „Alles tun aus Liebe zu Gott, für Gott, mit Gott, um zu Gott zu kommen.”

Unsere Region Brasilien
Die Werler Franziskaner suchten 1956 Schwestern für ihre Arbeit in Bacabal, im Bundesstaat Maranhao in Brasilien. Der Erzbischof von Sao Luis, Dom Madeiros, unterstützte in einem Brief an unsere damalige Generaloberin, Mutter Edmunda, die Bitte der Franziskaner. So wurden am 6. Januar 1958 die ersten sechs Schwestern vom Mutterhaus Waldbreitbach in die Mission entsandt. Bildung und Ausbildung, Gesundheitsfürsorge, Sozialarbeit und pastorale Aufgaben waren die Eckpfeiler ihres Einsatzes. Heute orientiert sich unser Missionsauftrag an den Entscheidungen der Lateinamerikanischen Kirche, die sich vor allem für die Armen einsetzt. Mutter Rosa hat den Ärmsten der Armen gedient und dies ist für uns Ordensfrauen in Brasilien ein Auftrag, dem wir nicht ausweichen dürfen. Wir wollen solidarisch sein mit den Armen. Denn gerade in Brasilien ist die soziale Ungleichheit das Resultat von ungerechten Strukturen und erreicht unannehmbare Ausmaße.
Die Schwestern arbeiten in den Diözesen, Pfarreien und Gemeinden, in denen sie leben und in der brasilianischen Ordenskonferenz mit. So sind einige unserer Schwestern in der Jugend- und Berufungspastoral, in der Katechese (Religionsunterricht), Bildungsarbeit und in der persönlichen Begleitung von Menschen tätig. Andere setzen sich für alternative Gesundheitspflege und Kindergesundheitspflege ein. Sie helfen der armen Bevölkerung durch Naturheilpflanzen und bieten Ernährungsberatung an, in der sie über natürliche, vollwertige Nahrungsmittel informieren. Durch Hausbesuche bei Familien, Kranken, Einsamen und Bedürftigen wollen sie Hoffnung bringen. Einige unserer Schwestern sehen ihren Beitrag für eine menschenwürdigere Zukunft der ausgebeuteten Bevölkerung darin, dass sie in der Erziehung und Ausbildung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern arbeiten, so zum Beispiel in unserem Projekt "Madre Rosa".